Bist du was du hörst? Befunde zu Musikgeschmack und Persönlichkeit

Jennifer Julie Frotscher Allgemein, Forschung & Psychologie, Top Topics 5 Comments

Das Projektteam Testentwicklung der Ruhr Universität hat untersucht, inwiefern die Persönlichkeit und Musikgeschmack zusammenhängen. 352 Teilnehmer mit dem durchschnittlichen Alter von 30 Jahren wurden hinsichtlich Ihres Musikgeschmacks in drei Kategorien; Rock, Pop und Metal untersucht. Der Aufruf, an der Studie teilzunehmen, wurde Anfang des Jahres hier auf PE veröffentlicht

Ausgangspunkt war eine frühere Studie aus dem Jahr 2003 in den USA, die ergeben hat, dass beispielsweise Rock-Fans als weniger gewissenhaft gelten und Fans von Blues, Klassik und Jazz höhere Werte in Offenheit vorweisen. Dabei wurden Übereinstimmungen zwischen einer Musik-Präferenz mit Ausprägungen der Big-Five-Persönlichkeitsdimensionen untersucht.

Pop-Fans sind laut diesen Ergebnissen eher extrovertiert. Da die Studie aus den USA stammt und nicht ohne weiteren auf den deutschen Raum übertragbar ist, hat sich das Team um Rüdiger Hossiep aufgemacht, die hiesige Korrelation von Persönlichkeit und Musik-Affinität zu untersuchen. Der Fragebogen, der in dieser Studie zum Einsatz kam, ist der BIP-6F, ein kurzer Persönlichkeitsfragebogen mit 48 Items, der sechs berufsbezogene Faktoren der Persönlichkeit misst.

Das Ergebnis in Kurzform: Die Fan-Gruppen Rock, Pop und Metal unterscheiden sich in der Skala BIP-6F Disziplin. Pop Fans haben hier höhere Werte als Rock-Fans. Metal-Fans sind dominanter als Pop-Fans. Die anderen Persönlichkeitsmerkmale aus dem BIP-6F korrelieren weniger deutlich mit dem Musikgeschmack der Befragten.

Details zum Aufbau der Studie sowie zu den Ergebnissen finden Sie hier.

Bild Urheberrecht: dolgachov / 123RF Stockfoto

Comments 5

  1. Profilbild von Tobias Hoffmann
  2. Profilbild von Eva Lutz
    Eva Lutz

    Ist die Idee der Untersuchung, Zielgruppen bzw. Persona´s genauer ansprechen zu können im Personalmarketing oder Personalbeschaffung (recruiting)?

    Aus dem Produktmarketing ist die Verbindung zwischen Geschmack und Musikgeschmack bekannt und wird genutzt – z.B. durch Coca Cola. So wurden in den Flaschendeckel Codes angebracht, um sich damit Songs aus dem Netz zu laden. Selbstverständlich nicht zum Selbstzweck oder zum Spaß, sondern um zum Beispiel abzuleiten – „Hip Hop Hörer trinken Fanta“. Wenn das so ist, dann wird auf dem nächsten Konzert sicherlich kein Apollinaris-Stand aufgebaut.

    Im übertragenen Sinne könnten sich Personaler entsprechend besser platzieren und die Berührungspunkte (touchpoints) besser ausgestalten, um das Gefühl einer besseren Passung (Match, candidate, employee experience) zu ermöglichen.

    Ist das die Anwendung dieser Erkenntnisse oder gibt es noch weitere Felder? Ich freue mich auf Ihre Kommentare dazu.

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    Dr. Philip Frieg

    Das ist interessant mit Coca Cola. War mir gar nicht so bewusst. Ehrlich gesagt hatten wir vorher gar nicht so viele Ideen was die Anwendung der neuen Skala angeht – ein eher explorativer Ansatz. Wir wussten auch gar nicht, ob es funktioniert, eine Musikaffinitätsskala zu entwickeln.

    Jetzt, wo es funktioniert hat, denke ich, dass der Einsatz dieser Skala v. a. in der Forschung zu Musik und Persönlichkeit relevant sein kann – weniger im Recruiting o. ä.

    Als Persönlichkeitsforscher war unser Ansatz eher folgender: „Da gibt es womöglich ein Persönlichkeitsmerkmal (Musikbegeisterung, Musikaffinität), das wir so noch kennen bzw. erforscht haben. Mal sehen, was wir dazu herausfinden können.“

    Insofern vielen Dank für Ihre Ideen und Anregungen was praktische Anwendungsfelder angeht!

  4. Profilbild von Dr. Philip Frieg
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    Eva Lutz

    Als Praktiker will ich immer wissen – was bring mir das, wofür brauche ich das, wie kann ich es ein-/ umsetzen. Als Forscher ist das Ergebnis erst einmal interessant. Wenn ich an unsere 7 Sinne (smile) denke, wäre es auch interessant, zu erforschen, wie sich z.B. haptische Signale wie durch die Apple Watch auf uns auswirken. Mir kam die Idee, weil BMW ja diesen besonderen Ton am Ende der Werbung hat – dieses „tonk, tonk“ – irgendwie archaisch, zumindest trifft mich der Ton immer in Mark und Bein und lässt mich aufhorchen. Ich frage mich, wie man dieses Signal z.B. als positives Druck/Klopf-Gefühl – einzigartig mit einer Marke verknüpft nun haptisch darstellen könnte – immer wenn ein BMW an einem vorbei führt (als location based service) zum Beispiel um das Markenerlebnis positiv zu beeinflussen.

    Gibt es darüber auch schon Überlegungen?
    Viele Grüße aus München,
    Eva Lutz

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