Die Macht des 6. Sinns – oder die Angst vor dem Elfmeter

Stephan Stockhausen Forschung & Psychologie Leave a Comment

Gemeinhin gehen wir von den fünf Sinnen Sehen, Hören, Riechen, Schmecken und Tasten aus. Wenn jemand Gefahr erahnt oder etwas bemerkt, was nicht bewusst den fünf Sinnen zuzuordnen ist, sprechen wir gern vom 6. Sinn. Den 6. Sinn ordnen wir gern dem Übersinnlichen zu, dabei ist er doch zwischen unseren Ohren verortet: die Erfahrung unseres Gehirns.

Aus der Gehirnforschung wissen wir, dass es diesen tatsächlich gibt. Es ist das Erfahrungswissen unserer Intuition, die sich meldet. Denn im Unterbewussten wird eine andere Komplexität an Sinnesreizen verarbeitet und abgespeichert. Dies führt dazu, dass unsere Intuition Muster erkennt, die unserem Bewusstsein bislang entgangen sind. Das kann als 6. Sinn mitunter sehr hilfreich sein.

Unsere Erfahrung ist zugleich so mächtig, dass sie sich oftmals als Filter über alle anderen Wahrnehmungen legt. Dies kennen wir als Phänome wie den ersten Eindruck, der Übertragung und der Projektion.
Sehr anschaulich beschrieben wird dies beispielsweise bei Paul Watzlawik in der bekannten Geschichte über den Mann, der sich einen Hammer leihen will.

Wie mächtig die Erfahrung wirken kann, zeigt sich außerdem in der sich selbst erfüllenden Prophezeiung.
Pünktlich zur Fussballweltmeisterschaft fragte dazu die Süddeutsche: Warum haben Engländer Angst vor Elfmetern?
Es ist naheliegend, dass die reiche Erfahrung an Fehlschüssen (kein anderes Nationalteam scheiterte häufiger) sowie der Gedanke, als Engländer könne man vom Punkt nur Scheitern, zu Druck und zu übermäßiger Hast führt und damit die Teufelsspirale in Gang setzt.
Demgegenüber wird ein englischer Elfmeterexperte zitiert, der auf Vertrauen in das eigene Können (genährt durch Erfahrungen mit Erfolgen z. B. durch häufiges Training) und die Imagination von schönen Bildern wie den jubelnden Rängen setzt.

Wer sein Gehirn also auf Erfolgserfahrungen lenkt, kann in eine Positivspirale einsteigen

Der sechste Sinn steht uns somit wie die anderen fünf ebenfalls bewusst zur Verfügung. Emotionale Erfahrungen sind abgespeichert und können aktiviert werden. Angst vor Elfmetern (als Synonym für andere Situationen, die uns Bauchweh bereiten) ist ein Signal unserer Intuition / der Erfahrung.
Viele emotional bedeutsame Lernsituation des Gelingens und des Erfolges lenken unsere Erfahrung auf neue Annahmen. Denn wie jeden anderen Sinn, können wir auch unsere Erfahrung schärfen und ausrichten.

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