Persönlichkeit und Musikauswahl – wer hört was?

Jennifer Julie Frotscher Allgemein, Forschung & Psychologie Leave a Comment

Wenn man sich von einem Problem ablenken möchte, sich inspirieren lassen will oder einen Gemütszustand genießen möchte – Musik macht es möglich. Warum funktioniert Musik so gut als Unterstützer unserer Stimmungen? Dieser Frage ist Katrin Poese in einer Studie auf den Grund gegangen.

Emotionen können als angenehm oder unangenehm empfunden werden, sie können sehr störend wirken oder als Unterstützer auftreten. So oder so: Musik macht etwas mit uns, löst Emotionen aus und verstärkt sie. Musik ist „ein Wirkstoff in der Gestaltung des Selbst, der Veränderung von Stimmung, Energielevel, Verhalten, Aufmerksamkeit und der Auseinandersetzung mit der Welt“, so die Kultursoziologin DeNora, die sich bereits 1999 mit der Wirkung von Musik auf die Persönlichkeit beschäftigte. Dabei wird Musik nicht gezielt eingesetzt, um eine bestimmte Stimmung zu erzeugen, vielmehr geht der Weg anders herum: wir wählen Musik aus, die unserer Stimmungslage entspricht.

Es ist bisher noch nicht sehr bekannt, welche Rolle die Persönlichkeit dabei spielt. Es gibt noch nicht viele Studien dazu, eine aus dem Jahr 2005 (Schramm) weist aber drauf hin, dass es Zusammenhänge zwischen bestimmten Persönlichkeitsmerkmalen und der Auswahl von Musik gibt. Als Grundlage für Studien wurde beispielsweise das Persönlichkeitsmodell Big Five genutzt. So ist es wenig überraschend, dass Menschen mit einem eher ausgeprägten Merkmal Neurotizismus eher traurige Musik auswählen. Man kann sogar sagen: je labiler die Person, desto eher greift sie zu trauriger Musik, um nachdenken zu können und sich abzureagieren. Introvertierte Personen hören eher ruhige Musik und verhindern dadurch ebenfalls Ablenkung. Aber es wird noch interessanter: je offener eine Person ist, umso weniger wird sie versuchen, ihre Gefühle zu unterdrücken, wohingegen extrovertierte Personen dazu neigen, sich abzulenken und das Nachdenken über kritische Gefühlszustände eher vermeiden. Es gibt laut dieser Studie einen Zusammenhang zwischen dem Merkmal „Offenheit für Erfahrungen“ aus dem Big Five und der Auseinandersetzung mit Emotionen.

Die Ergebnisse aus der aktuellen Bachelorarbeit von Katrin Poese bestätigen das. Möglicherweise liegt es daran, dass offene Menschen ihre Emotionen sehr differenziert wahrnehmen können und die Auseinandersetzung damit als interessante Erfahrung verbuchen. Personen mit hohen Werten in Verträglichkeit wählen bei Trauer verstärkt entspannte und beruhigende Musik. Hier lässt sich vermuten, dass diese Menschen ihre Neigung zur Harmonie damit unterstützen und diese Musik auswählen, um Konflikte zu vermeiden.

Weitere Ergebnisse sind, dass in fröhlicher Stimmung eher lebhafte Musik bevorzugt wird. 84,7% der Teilnehmer wählten entsprechende Musik, kein einziger Teilnehmer wählte in dieser Stimmung schwere, ernste oder unruhige Musik. Wozu auch? Wenn alles schön ist, sollte man das genießen.

Mein Beispiel für fröhliche und lebhafte Musik

In einer traurigen Stimmung wählen allerdings 81,8% der 79 Studienteilnehmer düstere Musik, um die Stimmungslage zu unterstützen und nur 3,9% fröhlich-lebhafte Musik. Offensichtlich wird also mit Musik nicht versucht, Stimmungen gezielt in eine andere Richtung zu bewegen, sondern eher, sie zu unterstützen. Wir haben also den Drang, unsere Gefühle auszuleben, uns der Grübelei hinzugeben oder die Freude zu zelebrieren und dieses jeweils durch Musik unterstützen.

Image credit: kentoh / 123RF Stock Foto

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