Leichter leben – wie Gefühle helfen können

Jennifer Julie Frotscher Coaching & Entwicklung, Führung & Persönlichkeit Leave a Comment

Die Wissenschaft hat die Emotion verdrängt, den Höhepunkt der Verbannung haben wir aber schon hinter uns. „Ich denke, also bin ich“, stand Mitte des 17 Jahrhunderts am Beginn der legendären Erkenntnis des Menschen, das er für sich selbst verantwortlich ist, sich selbst erkennen und sich über die Kraft seiner Gedanken steuern kann. Hätte sich diese extreme Einseitigkeit nicht wie jede absolute Haltung von selbst an die Wand gefahren, wären wir heute vielleicht perfekt funktionierende Menschen – Herr Logisch und Frau Rational auf dem Weg zum Erfolg.

„All you need is love“ von den Beatles ist vielleicht der Satz, der als klare Gegenposition am meisten Menschen erreicht hat. Vielleicht wurde er so berühmt, weil diese Gegenposition nach 300 Jahren Fokussierung auf die Folter der Vernunft wirklich elementar wurde.
So richtig interessant wurde es dann ab der neunziger Jahre, als die Neurowissenschaften über die Erforschung des Nervensystems Zusammenhänge zwischen Emotionen, Persönlichkeit und Gehirn aufdecken konnte.

Mittlerweile wissen wir längst: durch Emotionen entstehen Verbindungen mit anderen Menschen. Ab dem ersten Tag im Leben eines Menschen wird die Struktur des Gehirns durch das Umfeld geformt. Emotionale und soziale sowie geistige und körperliche Prozesse sind eng vernetzt.
Die Persönlichkeit ist ein Resultat. Aber kein endgültiges, sondern eines, dass sich permanent ändern und verwandeln kann. Studien der Harvard Medical School in Boston haben herausgefunden, dass Neuvernetzung und Umstrukturierung im Gehirn innerhalb von wenigen Wochen stattfinden kann.

Meditation verändert Gehirnstrukturen

Die Studie zeigt konkret, wie schnell sich die Synapsen auf links drehen lassen. Für diese Studie wurden zunächst Bilder der Gehirne von 16 Teilnehmern gemacht. Nach einem achtwöchigen Meditationskurs konnten messbare Veränderungen im Gehirn in den Regionen Gedächtnis, Selbstwahrnehmung, Empathie und Stressreaktion gezeigt werden. „Obwohl seit längerem gut belegt ist, das Meditation zu einer Verbesserung des psychischen Wohlbefindens, zu einer Abnahme des Stressempfindens und zu einer Reduktion psychosomatischer Symptome führen kann, war bisher unklar, durch welche Veränderungen im Gehirn die positive Effekte der Meditation begleitet werden“ so Dr. Britta Hölzel, Wissenschaftlerin an der Universität Gießen, dem Massachusetts General Hospital und der Harvard Medical School. „Es ist faszinierend, wie veränderbar unser Gehirn und unser Empfinden sind. Wir selbst haben es in der Hand, eine aktive Rolle einzunehmen, unser eigenes Wohlbefinden zu erhöhen. Durch Meditation können wir unser Gehirn verändern und unsere Lebensqualität verbessern.“

Im Schnitt wurden 27 Minuten täglich geübt, sich achtsam nach innen zu begeben. Dazu gehörte das Wahrnehmen von Körperempfindungen, Gefühlen und Gedanken. Nicht werten sondern nur betrachten war dabei die Devise. Die Analyse der Kernspinbilder zeigte eine Zunahme der Dichte der grauen Substanz im Hippocampus, der Lern- und Gedächtnisprozesse unterstützt. Auch Bereiche, die für Empathie und Selbstwahrnehmung zuständig sind, veränderten sich positiv. Eine bessere Verarbeitung von Stress und Angst, die von den Teilnehmern berichtet wurden, konnte durch die Abnahme dieser grauen Substanz in der Amygdala gesichtet werden.

Empfindungen und Gefühle können in den verschiedenen Gehirnregionen lokalisiert werden. Das Gefühl hat so gesehen ein großes Comeback gefeiert und sogar die Unterstützung der Wissenschaft gefunden. Der Bereich di­rekt hinter der Stirn – der präfrontale Kortex –, ist der Sitz der neuronalen Netzwerke. Wenn wir kreativ sind, etwas Neues lernen, neue Lösungen finden, ist dieser Bereich aktiv. Und je aktiver dieser Bereich ist, umso schöpferischer und produktiver können wir werden. Und um dieses Zentrum in Bewegung zu bringen, sind emotionale Situationen wichtig.

Hier ein Lieblingsvideo für die Mittagspause, um die Gefühle mal kurz auf Touren zu bringen

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