Personaldiagnostik – Umfrage zur Stimmungslage

Jennifer Julie Frotscher Allgemein, Forschung & Psychologie, Potenzialanalysen & Persönlichkeitsprofile 2 Comments

Innermetrix Deutschland und PE personalityexperts untersuchten mit einer Umfrage die Stimmungslage für persönlichkeitsdiagnostische Instrumente im deutschen Markt. Rund die Hälfte aller Befragten findet den Markt unübersichtlich und zu wenig etabliert.  90% geben an, dass Persönlichkeitsdiagnostik in Deutschland stärker genutzt werden sollte. Probleme gibt es vor allem im Bereich der Mitbestimmung durch den Betriebsrat und durch fehlende Information über die vielen verschiedenen Angebote in diesem Marktsegment.

Was trifft auf den deutschen Diagnostik-Markt zu?

Insgesamt 124 Teilnehmer, die sich aus den Bereichen HR, Rekruiting und Dienstleistung zusammensetzten, haben an der Umfrage teilgenommen. Hintergrund war, den deutschen Markt und die Kunden in Bezug auf den Einsatz von persönlichkeitsdiagnostischen Instrumenten besser zu verstehen. Diagnostik sollte wie in unseren Nachbarländern als Hilfsmittel für die Personalentwicklung und –auswahl stärker eingesetzt werden. Beispielsweise nutzt Dänemark die Vorteile der Tools um ein Vielfaches häufiger als Deutschland.

Auf welchem wissenschaftlichem Hintergrund basiert Ihre Diagnostik?

Die große Mehrheit der befragten Teilnehmer hat bereits eigene Erfahrung mit persönlichkeitsdiagnostischen Instrumenten vorzuweisen, nämlich über 93%. Davon 23% nutzen verhaltensbasierte Instrumente, ebenso viele bevorzugen typologisch orientierte Verfahren. Werte und motivationsbasierte Verfahren kommen zusammen auf 33%, kompetenzbasierte Personaltests werden von 16% der Befragten genutzt.

Zwei Drittel dieser Instrumente basiert auf selbsteinschätzenden Fragebögen und werden meistens im Coaching eingesetzt. Aber auch Recruiting, Bewerbermanagement, Talentmanagement und Training sind beliebte Einsatzfelder.

Stimmt Ihrer Meinung nach das Preis-Leistungs-Verhältnis?

90% der Befragten sind mit dem Preis-Leistungsverhältnis der Tools einverstanden. Fast alle stimmen zu bei der Frage, ob sie einen Mehrwert für Ihre Kunden generieren konnten und mehr als 2/3 sehen den Wettbewerbsvorteil, der sie aus der Masse der Mitbewerber positiv abhebt. Außerdem sind nur 15% der Meinung, dass der Einsatz von Diagnostik sich nicht förderlich auf das Betriebsergebnis auswirkt.

Insgesamt 90% planen für die Zukunft weiteren Einsatz von Diagnostik.

Schwierigkeiten sehen allerdings die meisten, überwiegend in den Bereichen Budget und Informationsmangel. Es bestehen Vorbehalte beim Betriebsrat, aber auch Personalleiter blockierten zum Teil den Einsatz, die Gründe hierbei sind beispielsweise: „Unklarheit über das Budget“, „Kunde fühlt sich in eine Schublade gesteckt“ und „Bedenken der Teilnehmer vor der ersten Durchführung“. Auch die „Qualität im Hinblick auf sozial erwünschte Antworten“ wird genannt. Ebenso der Einwand, die „Instrumente seien nicht kontextspezifisch genug“. Nur 3% meint, es gäbe überhaupt keine Probleme.

Positiv bewerten 2/3 der Teilnehmer allerdings, dass die Kosten reduziert werden, die Personalauswahl präziser und besser wird und der Prozess insgesamt beschleunigt wird.

Passende Ergebnisdarstellung, hohe Wissenschaftlichkeit, der Preis und die Bekanntheit sind die wichtigsten Kriterien für die Auswahl eines Instrumentes in der Befragungsgruppe. Dafür spielt Einzigartigkeit und Neuartigkeit kaum eine Rolle. 29 Personen geben an, dass international übergreifenden Instrumente für sie relevant sind.

Es ist keine Überraschung, dass die Hälfte aller Teilnehmer angeben, der Markt sei zu unübersichtlich. 29 Personen finden zudem, dass zu viele Produkte am Markt sind. Auch diese Aussage könnte mit dem Phänomen der Unübersichtlichkeit zu tun haben. Diese Ergebnisse sind ein Anreiz, mit der Plattform PE personalityexperts weiterhin Raum für Transparenz und Information zu geben.

Alle Charts zur Umfrage Eignungsdiagnostik in Deutschland.

Comments 2

  1. René Anderegg

    Was das Phänomen der Unübersichtlichkeit des Marktes angeht, folgende Anmerkungen:

    Als Unternehmen, welches in der Beratung und im Vertrieb von psychologischer Eignungsdiagnostik tätig ist, haben wir es uns zur Aufgabe gemacht, allen Herstellern und Anbietern von sowie Interessenten für psychologische/n Tests im deutschsprachigen Raum einen neuartigen Datenbank-Service zur Verfügung zu stellen.

    Dieser seit Mitte 2012 verfügbare Service ermöglicht es einerseits Test-Herstellern und -Anbietern, auf einer zentralen Datenbank-Plattform Produkt-, Termin-, News- und andere Informationen rund um psychologische Diagnostik zu veröffentlichen.

    Interessenten andererseits erhalten via psychotestfinden.info einen Zugang, um sich schneller und umfassend einen Überblick der marktgängigsten psychologischen Tests (aktuell 183 Produkteinträge) zu verschaffen, die passenden Produkte und Informationen mittels Volltext-Recherche zu finden, diese gegebenenfalls miteinander zu vergleichen und sich bei Bedarf mit dem Test-Anbieter ihrer Wahl mittels Kontaktanfrageformular kostenlos und unverbindlich in Verbindung zu setzen.

    Soweit also das erklärte Ziel und unsere Motivation, mit PsychoTestFinden.info mehr Markttransparenz und Entscheidungssicherheit für die Interessenten zu schaffen. Realität ist jedoch auch, dass sich bis heute nur wenige Hersteller und Anbieter von Tests
    dafür ausgesprochen haben, Ihre Produkte vollumfänglich zu dokumentieren, sprich: die zur Verfügung stehenden Datenfelder in den Rubriken Produktbezeichnung, Merkmalsausprägungen, Kategorisierung, Gütekriterien, Nutzung & Preise, Anbieter-Infos,
    Mediathek und Beilagen auch mit Inhalten zu füllen.

    Das dürfte mehrere Gründe haben: Zum einen unterliegen kategorisierte und vollumfängliche Produkteintragungen einer (m.E. sehr moderaten) Nutzungsgebühr, zum anderen scheint mir, dass gerade Transparenz hinsichtlich detaillierten Produktinformationen wie bspw. zu den Gütekriterien (Validität, Reliabilität, u.a.) von Herstellern und Anbietern nicht immer erwünscht ist. Stichworte: Angst vor Offenlegung der Fakten, Angst vor Vergleichbarkeit, möglichem Imageverlust, dann aber auch teils verständliche, teils vorgeschobene Argumente wie fehlende Zeit und vermeinlich zu grosser (initialer) Dokumentationsaufwand.

    Es bleibt also abzuwarten, ob die besagten Hersteller die zur Verfügung stehenden Gefässe für mehr Markt-Transparenz zukünftig auch vermehrt nutzen werden.
    All jene, welche sich auf PsychoTestFinden.info (oder PersonalityExperts) mit einem Produkteintrag „outen“, dürften letztlich zu den Marktgewinnern zählen – dies dürfte
    auch demjenigen Viertel der Befragten entgegenkommen, die fanden, es gäbe aktuell zu viele Produkte auf dem Markt. Transparenz in dieser Hinsicht würde m.E. helfen,
    die Zahl der qualitativ nur mässigen Produkte auf dem Markt weiter zu reduzieren und gute Produkte am Markt zu stärken.

    Wir bleiben, wie PE auch, mit PsychoTestFinden.info auf jeden Fall weiterhin am Ball.
    René Anderegg

  2. Felix Wiesner

    Der Knackpunkt ist der betriebliche Nutzen, der sich bei normativen, auf Persönlichkeitsmodellen basierenden Tests nur für Fachleute mit komplizierten mathematischen Formeln erschließen lässt. Während ich diese unmittelbare Kausalkette mit HA sehr begrüße, haben andere Testanbieter da naturgemäß gravierende Bedenken und fühlen sich wohler, wenn sie als Verkaufsargument auf allgemeine Indizien verweisen können, nicht auf den Einzelfall.

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