Professor Gerald Hüther – eine Gesellschaft der Potenzialentfaltung

Jennifer Julie Frotscher Allgemein, Karriere & Erfolg, Top Topics 1 Comment

„Wenn ich das Talent in mir spüre und es auslebe, bin ich automatisch von dem begeistert, was ich tue.“ Gerald Hüther, Professor für Neurobiologie, unterstützt die neue Plattform millionways, weil er davon überzeugt ist, dass der Mensch sich im Laufe seines Anpassungsprozesses immer weiter von dem Vertrauen in die eigenen Körper- und Sinneserfahrungen entfernt. Hüther: „Was später bleibt, ist nur noch das Bedürfnis von Zugehörigkeit und Anerkennung.“ Eine Gesellschaft der Potenzialentfaltung sei nötig, so Professor Hüther weiter. millionways bietet dafür einen geschützten Raum und möchte zum Kern einer Bewegung innerhalb der Gesellschaft werden.

Man braucht Gelegenheiten, zu zeigen, was man wirklich kann und Gelegenheiten, um zu zeigen, was einen wirklich interessiert, so Gerald Hüther in dem untenstehenden Video. Das ginge immer nur dann, wenn kein Druck da sei. Potenzial und Talent zeigt sich dann, wenn andere Menschen da sind, die einen ermutigen und die einen dazu einladen, dass man einfach sein kann, wie man ist.
In der Zeit, in der wir leben, spüren viele Menschen, dass sich etwas verändern möchte. Gerald Hüther spricht dabei von einer Zeit der Transformation. Innovation ist entscheidend und notwenig für den Wechsel, der nur von Menschen getragen werden kann, die nicht auf den kurzfristigen Erfolg, sondern auf das langfristige Gelingen achten. Dazu gehört auch, die Intuition und die eigenen Erfahrungen einzusetzen und nicht nur das erworbene Wissen.

Millionways ist ein Netzwerk, dass die Verknüpfung von Menschen und Ihren spezifischen Talenten zum Ziel hat. Verborgene Talente und Fähigkeiten tatsächlich auszuleben oder gar zum Beruf zu machen, gelingt nur wenigen Menschen. Das möchte millionways, die erste „Helping Profit Organization“ der Welt, ändern: Die von einer gemeinnützigen Stiftung initiierte Bewegung hat es sich zum Ziel gesetzt, den Menschen in Deutschland eine Stimme
zu geben – und die Chance, ihre ganz persönlichen Lebensmodelle, Träume und Visionen zu verwirklichen. Heutzutage haben die Menschen laut Gerald Hüther wenig Möglichkeiten zum Gestalten und sind häufig allein. Isoliert durch automatisierte Arbeitsprozesse, viel Druck und Konkurrenz, überschwemmt von Angeboten.

Wir werden gebraucht als Konsumenten, aber nicht als Gestalter und Entdecker dieser Welt.

Gehirnforscher haben bewiesen, dass bei Menschen, die nicht Teil einer Gemeinschaft sind, im Gehirn die gleichen Areale aktiv sind, die auch bei körperlichen Schmerzen aktiviert werden. Nachteil unserer Gesellschaftsform ist die Angewohnheit, Beziehungen zu Menschen zumeist im nutzenorientierten Blickwinkel zu betrachten. Netzwerke und Beziehungen werden nach dem Motto bewertet: „wie kann der mir helfen?“ oder, was noch schlimmer ist: „wie kann ich dem zeigen, dass ich besser bin als er?“ Eine Gesellschaft, die versucht, im Wettbewerb Leistung zu erzielen, sei aber weit entfernt von einer echten Potenzialgesellschaft, die im Netzwerk arbeitet und sich gegenseitig befördert, so Gerald Hüther. Die Zeit der Einzelkämpfer sei vorbei, so sein Fazit. Millionways möchte die Menschen, die schon etwas mutlos geworden sind und die nicht mehr die Möglichkeit haben, die eigenen schlummernden Potenziale herauszubringen, neu inspirieren und einladen, ihre Talente zu erkennen und einzubringen.

„Wir möchten mit millionways eine Gesellschaft schaffen, in der jeder Einzelne seine Potenziale entdecken, fördern und ausleben kann“, erklärt Initiator Martin Cordsmeier. Unter dem Motto: „Sei, was du sein willst“, wollen er und seine Mitstreiter möglichst viele Menschen dazu ermutigen, ihre Talente zu leben. Der Lebens-Inhalt soll dabei letztlich zum Lebens-Unterhalt werden. Die Organisation schafft dafür die notwendigen Rahmenbedingungen: Sie sorgt für Strukturen, unterstützt die Vernetzung mit Gleichgesinnten und macht die einzelnen Projekte publik.

Professor Gerald Hüther, der wissenschaftliche Leiter von Millionways im Video-Interview

Comments 1

  1. Gudrun Kittel-Thong

    Da spricht mir Prof. Huether aus der Seele. Dieser in Deutschland neue und wesentlich wohlwollendere Ansatz die Menschen zu sehen und in ihren unterschiedlichen Talenten und Kompetenzen anzuerkennen und zu lassen, ist im angelsaechsichen Sprachbereich schon lange in der Diskussion; ein Beispiel: Ken Robinson mit seinem Buch ‚The Element‘ und seinen TED Beitraegen in Bezug auf Schulausbildung.
    Als Solopreneur mit Neuanfang in Deutschland im Alter von schrecklassnach 56 Jahren und 25 Jahren Ausland erlebe und beobachte ich immer wieder interessante Phaenomene, die vom Prof Huethers vorgeschlagenen Umdenken aufgehoben werden koennten:
    *Neues wird grundsaetzlich mit grosser Vorsicht betrachtet, lieber abwinken, als sich naeher damit zu beschaeftigen. Wenn es zudem im Denkansatz noch nicht irgendwo etabliert ist, gibt es keine Vergleichsmuster und ist damit schon mal auf duennem Eis.
    *Gesunder Menschenverstand erscheint mir oft wie ein Blinddarm: wegen geringer Nutzung verkuemmert und mit Medienhilfe herausoperiert.
    *Ich beobachte eine grosse Furcht vor Fehlermachen, sodass manchmal schon eine kleine Nachfrage, um etwas zu klaeren, als Kritik empfunden wird.
    *Abwarten wird eher bevorzugt, als Initiative zu ergreifen.
    Initiative, die ‚quer‘ in ein System kommt, wird als stoerend empfunden und gern ignoriert.
    *’Mir geht’s gut!‘ wird nur selten ausgesprochen – es koennte ja unverdient sein oder Neid wecken. Dafuer lieber im allgemeinen Klagen (Wetter, Gesundheit, Geld, Autoritaeten) mitmachen.
    Meine Aufzaehlung mag vielleicht hart klingen, aber ich stehe dem ganzen eher verwundert gegenueber, weil ja jeder sein eigenes Leben und die Gesundheit selbst in der Hand hat.
    Also freu ich mich sehr, neue Denkansaetze ‚Jetzt auch in Deutschland!‘ mitzuerleben.

Schreibe einen Kommentar