Berufliche Auswahlverfahren erfolgreich bestehen

Hesse/Schrader Assessment & Eignungsdiagnostik Leave a Comment

Berufliche Auswahlverfahren bestehen heutzutage nicht nur aus Bewerbungsunterlagen und Vorstellungsgespräch. Oftmals kommen spezielle Einstellungstests hinzu, mit denen berufsrelevante Bewerberkompetenzen überprüft werden. Unser Text erklärt, wie man diese Hürden erfolgreich überspringt und deckt gleichzeitig wichtige Kritikpunkte an diesen Auswahlmethoden auf.

Schwierige Fragen im Vorstellungsgespräch

Der typische Ablauf eines Vorstellungsgesprächs kann in folgende Abschnitte unterteilt werden: Begrüßung, Bewerbungsmotive, beruflicher Werdegang, persönlicher Hintergrund, berufliche Kompetenz, Informationen für den Bewerber, Arbeitskonditionen, Fragen des Bewerbers und Verabschiedung. Generell sind hierbei unzählige Fragen möglich, weshalb an dieser Stelle eine Auswahl an besonders schwierigen Varianten folgt. Wird gefragt „Warum sollten wir uns für Sie entscheiden?“ so sollte der Bewerber zunächst kurz an die Stellenbeschreibung anknüpfen und dann wichtige fachliche sowie berufsbezogene persönliche Eigenschaften (Soft Skills) als Argumente benennen. Bei „Was sind Ihre Stärken?“ sollten zwei, drei wichtige Punkte kompetent und gleichzeitig glaubwürdig – also mit kurzen Beispielen, nennenswerten Erfolgen, überzeugenden Argumenten – aufgeführt werden. Bei extremen Fragen, wie z. B. „Glauben Sie nicht auch, dass Sie vollkommen ungeeignet für die Stelle sind?“ oder „Zweifeln Sie oft an Ihren beruflichen Kompetenzen?“ gilt es vor allem ruhig zu bleiben und innerlich erst einmal durchzuatmen. Bleiben Sie sachlich und versuchen Sie solche Fragen so knapp wie möglich zu beantworten. „Das ist Ihr subjektiver Eindruck. Ich sehe das anders.“ Überschreitet der Interviewer die Grenzen gewisser höflicher Umgangsformen, so sollten Sie sich Unterstellungen in diplomatischer, jedoch direkter Form verbitten.

Der Einstellungstest

Von Arbeitgebern konzipierte Einstellungstests orientieren sich inhaltlich an den jeweiligen Jobprofil-Anforderungen. Ein Beispiel: In der Finanzbranche werden andere Erwartungen an analytische, mathematische Fähigkeiten gestellt, als in sozialen Bereichen, z. B. bei Gesundheits- und Pflegeberufen. Generell sind bei schriftlichen und mündlichen Einstellungstests folgende Schwerpunkte denkbar: Persönlichkeit (Verhaltensweisen und Charaktereigenschaften), Intelligenz, logisches Denken, Stressfestigkeit und Konzentrationsfähigkeit. Wir empfehlen Ihnen sich vorab so gut wie möglich zu informieren: Über den jeweiligen Arbeitgeber, typische Aufgabengebiete sowie branchenspezifische Herausforderungen. All dies wird Ihnen beim Einstellungstest helfen. Bleiben Sie gleichzeitig auch bei Ihrem Allgemeinwissen auf dem Laufenden, denn eine solide allgemeine Bildung ist eine verlässliche Grundlage für eine erfolgreiche Absolvierung von Einstellungstests.

Auswahlverfahren in der Kritik

Generell erhoffen sich Personaler durch komplexe, umfangreiche Auswahlverfahren eine möglichst tragfähige Grundlage zur Einschätzung der Kompetenzen, der Leistungsmotivation und der Persönlichkeit des Bewerbers. Gleichzeitig soll herausgefunden werden, wie der Kandidat unter Druck bzw. Stress reagiert. An einer allgemein gültigen Aussagekraft der Ergebnisse, die immer auch eine Momentaufnahme darstellen, kann jedoch gezweifelt werden. Jeder Mensch ist ein Individuum, weshalb standardisierte Stressfragen oder Einstellungstests eher ungenau das individuelle Kandidaten-Profil erfassen können. Hinzu kommt: Wenn ein Bewerber das Auswahlverfahren besteht, so bedeutet dies noch lange nicht, dass er auf lange Sicht erfolgreich die ausgeschriebene Position ausfüllen wird.

Fakt ist: Personalauswahl und Testverfahren müssen rechtlichen Vorgaben entsprechen (z. B. dem Allgemeinen Gleichstellungsgesetz AGG). Zudem zählen Qualitätsstandards, die eigens für Einstellungstests von Psychologen entwickelt wurden. So entstand z. B. die DIN 33430 – Richtlinien zu den Anforderungen an Verfahren und deren Einsatz bei berufsbezogenen Eignungsbeurteilungen. Offen ist, wie viele Unternehmen tatsächlich normgerechte Einstellungsverfahren einsetzen. Als Bewerber sollte man jedoch Auswahlverfahren auch als Test der jeweiligen Firma betrachten. Wer hier gewisse Grenzen überschreitet, der empfiehlt sich nicht als zukünftiger Arbeitgeber.

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