„Hört auf zu arbeiten“

Jennifer Julie Frotscher Karriere & Erfolg, Rezensionen Leave a Comment

Das neue Buch „Hört auf zu arbeiten“ von den Autoren Förster und Kreuz fordert uns auf, die starren Strukturen des Fabrikzeitalters aus unserer Persönlichkeit und unserer Arbeit zu entfernen und stattdessen die eigenen kreativen Ressourcen zu nutzen. Die beiden Business-Querdenker zeigen auf, dass wir auch heute noch nach den Prinzipien der Industrialisierung funktionieren, gleichzeitig aber auf Selbstbestimmtheit programmiert werden. „Die Arbeitswelt ist vom Versprechen der Vergangenheit und von der Rhetorik der Zukunft geprägt. Deshalb will man beides haben“ Und das funktioniert eben nicht.

Wir erwarten, dass der Job Sicherheit gibt und gleichzeitig größtmögliche Flexibilität bietet. Das Leben findet zwischen alten und neuen Idealen statt, die daraus resultierende Leere kompensieren wir durch Konsum. Schuld daran ist nach der Meinung der Autoren auch das veraltete Bildungssystem, das Menschen für ein Arbeitsleben im Fabrikschema ausbildet und Kreativität vernichtet. Der Wohlstand produziert eine „Gesellschaft die ihre Macht abgegeben hat“ zugunsten von Sicherheit und Bequemlichkeit. Dinge ohne wirtschaftlichen Nutzen wie Kunst, Theater, Sport oder Musik haben hier keinen Platz. Die Hierarchie im Lehrplan ist klar: Mathe auf Platz 1, Sport und Kunst am Ende.

Das Buch hat drei Teile: „Ende“, „Suche“, „Anfang“. Der erste Teil handelt von der „Leere“ in der Betriebswirtschaft und im Bildungssystem, den fehlenden Fragen und den veralteten Lehrplänen. Der zweite Teil beschreibt die Anforderungen der Arbeit an uns sowie die Möglichkeiten, sich im aktuellen System zu positionieren. Der dritte Teil versucht, in diese defiziente Struktur hinein ein neues Bewusstsein und neue Ideen, teilweise anhand von Beispielen, anzubieten.

Schön und provokativ, dass diese Zustände so deutlich und klar ausgesprochen werden, dachte ich beim Lesen der ersten 100 Seiten immer wieder. In der Mitte war ich gespannt, wie Förster und Kreuz die Kurve zu umsetzbaren Lösungen kriegen und konnte nicht widerstehen, schon mal in die Rezensionen hinein zu lesen, ob ich da eine verwertbare Aussage dazu bekomme, aber die Meinungen der Fan-Gemeinde gehen auseinander. Aus meiner anfänglichen Irritation über das relativ offene Ende des Buches ohne Rezepte zur weiteren Vorgehensweise ist Erleichterung geworden. Alle fertigen Lösungen wären doch wieder nur platte, systemimmanente und schon drei mal aufgewärmte „Nichtfunktionierer“. Das Buch macht es viel besser: es ist eine aktuelle Zustandsbeschreibung, ein treffende Analyse inklusive Appell an die Selbstverantwortung – simple Lösungen a la Karriereratgeber sind hier völlig fehl am Platz. Zumal die Gesellschaft die Lösung tatsächlich noch nicht mal auf der theoretischen Ebene gefunden hat, sondern sich jetzt, 2013, erst zögerlich mit der Suche danach konfrontiert.

Die beiden Querdenker treffen mal wieder den Nagel auf den Kopf; Ihre Aussagen sind die logische Konsequenz aus den täglichen Hiobsbotschaften zum Krankenstand Deutschland, zur Motivationsdiskussion und zu den ewigen Führungsstilratgebern, den Burnout-Meldungen und der Gallup Studie. Es ist inspirierend geschrieben, nur zum Teil etwas langatmig und unsortiert. Lesenswert!

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