«Newplacement» statt «Outplacement»

Rudolf Santschi Führung & Persönlichkeit, Interviews Leave a Comment

Nach Meinung von Rudolf Santschi ist «Outplacement» eigentlich ein eher unglücklicher Ausdruck, da er durch das Wort «Out» negativ behaftet sei. Vielmehr müsste es «Newplacement» heissen, da dieser Begriff in die Zukunft weise. Schliesslich gehe es ja für die betreffenden Mitarbeitenden – in welcher Funktion und Hierarchiestufe auch immer – um eine berufliche Neuorientierung. Rudolf Santschi versteht sich deshalb zusammen mit seinem Team als «Brückenbauer» zwischen den beteiligten Unternehmen und den Mitarbeitenden, und zwar von der Trennung bis zum Neuanfang.
Das Interview führte Alex Müller.

AM
Rudolf Santschi, ist «Outplacement» oder besser «Newplacement» nicht einfach eine elegante Umschreibung für Kaltstellung oder Rausschmiss?

Rudolf Santschi
Die Gründe für eine Trennung von einem/r Mitarbeitenden sind sehr vielfältig. Die Erfahrung zeigt, dass persönliche Differenzen mit dem (neuen) Vorgesetzten im Vordergrund stehen, gefolgt von Reorganisationen – auch Restrukturierungen und Fusionen – sowie auch unterschiedliche Auffassungen über die Geschäftsführung bzw. die strategische Ausrichtung des Unternehmens. Schon aus diesen Trennungsgründen ist ersichtlich, dass hinter einem Newplacement kein «Rausschmiss» steht. Verbindungen werden – wenn die «Chemie» nicht mehr stimmt – von jeher gelöst, sei es im privaten oder geschäftlichen Bereich.

AM
Welches ist denn der Unterschied zwischen Stellenvermittlung und Outplacement?

Rudolf Santschi
Ein «Stellenvermittler» vermittelt einem/r Bewerber/in einen neuen Arbeitgeber. Hinter diesem Prozess steht – eine mehr oder weniger – bescheidene Leistung. Beim Newplacement wird vom Berater eine sehr umfassende, dem Kandidaten oder der Kandidatin auf den Leib geschneiderte Beratung geboten. Diese intensive Arbeit erstreckt sich über drei Grobphasen:
– Evaluation: Ist-Aufnahme, Karrierebilanz, Selbstbeurteilung, Potenzialanalyse, Persönlichkeitstests, Kontaktnetz, Sofortmassnahmen usw.
– Konzeption: Laufplanziel/-planung, Dossiererstellung, Qualifikationsprofil, Eigenmarketing-Konzept, Interview-Training, Literatur, Definition der Zielunternehmen usw.
– Realisation: Netzwerkarbeit, Stellenmarktbearbeitung, Vorstellungsgespräche, Rechts- und Versicherungsfragen, Vertragsabschluss, Nachbetreuung usw.
Hinter den Begriffen «Stellenvermittlung» bzw. «Outplacement» stehen folglich Dienstleistungen, wie sie unterschiedlicher nicht sein können.

AM
Wie lautet das Leitmotiv oder das Credo Ihres Handelns? Sind Sie ein Wohltäter, ein Berater, ein Begleiter, ein Coach oder ein Unternehmer?

Rudolf Santschi
Unsere optimistische Grundhaltung – das Elixier der Tätigkeit von HRS – wollen wir auf unsere Klienten übertragen, damit die Freistellung nicht ein Schritt ins Ungewisse, sondern eine Station mit positiven Zukunftsaussichten wird. Natürlich sind wir Unternehmer, Coach, Berater und Begleiter, aber sicher nicht «Wohltäter».

AM
Angenommen, ein von Restrukturierungen und Personalabbau betroffener Betrieb wendet sich an Ihr Unternehmen. Was erhält er an Gegenleistung?

Rudolf Santschi
Unsere Stärken sind sicher einerseits unsere hohe Erfolgsquote, die Erfahrung, unser langjähriges Berater-Team sowie die Flexibilität, unsere Dienstleistungen ganz auf die Bedürfnisse der Klienten auszurichten, andererseits aber auch das Kontaktnetz zur Wirtschaft, national und international.
Ferner wird die Personalabteilung im Unternehmen von einer heiklen Betreuungsaufgabe durch eine neutrale Instanz mit umfassendem Know-how wirksam entlastet. Dank vielfach rascher Wiedereingliederung der freigestellten Mitarbeitenden in den Arbeitsprozess und damit verbundener Vermeidung von Sozialfällen halten sich die Folgekosten im Rahmen. Die Unternehmen erhalten wieder Spielraum für zukunftsgerichtete Strategien sowie neue organisatorische und personelle Strukturen.
Eigentlich wollen wir eine «Win-Win»-Situation schaffen. Beide Parteien, der Auftraggeber und der Klient, sollen ihre Zukunft ohne Ressentiments planen können, denn nichts ist so zerbrechlich wie ein Mensch und ein guter Ruf!

AM
Können Sie abschliessend kurz ein besonders markantes Beispiel für ein erfolgreiches Outplacement in Ihrer langjährigen Tätigkeit nennen – also gewissermassen die Kurzgeschichte einer Trennung, die vom Stellenverlust zum Karrieregewinn führte?

Rudolf Santschi
Es gibt ein Beispiel, an das ich mich gerne erinnere. Ein Newplacement-Kandidat, von Beruf Controller (35), hatte seine Stelle verloren, weil er unter Zwangshandlungen litt; eine Krankheit, die mit einem psychologischen, verhaltens-therapeutischen Ansatz behandelt werden kann. Seine Ausbildung sowie den beruflichen Werdegang hat der Kandidat nach den Wünschen seiner Eltern ausgerichtet. Er war sehr unzufrieden mit seiner Situation, ist er doch an einem Ort gelandet, wo er persönlich nie hin wollte. Folglich eine komplexe Situation: Krankheit und Neuorientierung.
Nach vielen Gesprächen äusserte er sich zu seinem Traumberuf – er wollte Golf-Profi werden, verwarf aber den Gedanken sofort wieder, weil er nicht daran glaubte, ihn je verwirklichen zu können. Nach einer engen Zusammenarbeit mit einem Psychologen sowie nach Abklärungen über die Ausbildungsmöglichkeiten im In- und Ausland und die Finanzierbarkeit usw. ist er heute als Golf-Profi in Schweden tätig. Er hat mich letzthin in Basel besucht, es geht ihm glänzend. Das New-placement führte nicht zum eigentlichen Karrieregewinn, aber zu erheblich mehr Lebensqualität.
Dies ist kein Einzelfall, das Beispiel zeigt aber – stellvertretend für andere –, dass viele Kandidaten die Newplacement-Chance nutzen, um sich wirklich neu zu orientieren. Ein Erfolgserlebnis für alle Beteiligten.

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