Knallende Türen und zertrümmerte Schreibtische

markushornung Führung & Persönlichkeit, Gesundheits- & Stressmanagement, Interviews Leave a Comment

Interview mit dem Beratungsunternehmen EQ Dynamics: Eigene Emotionen erkennen! Eigene Emotionen zeigen! Fremde Emotionen würdigen!
Diese drei Regeln sollen Führungskräften helfen, produktiver und effizienter zu führen – zumindest wenn man den drei Geschäftsführern Markus Hornung, Irena Fiedler und Sabine Grüner des Beratungshauses EQ Dynamics glauben darf. Wir fragen nach…

PE
Führen und Emotion – damit verbinden die meisten doch nur Fußball, wenn die Lieblingsmannschaft Samstagnachmittag vorne liegt?

SG
Bei vielen Männern könnte man das tatsächlich meinen, nicht wahr Markus? Emotionen gehören einfach zum Leben dazu, sie sind die Grundlage unseres Zusammenleben, -arbeitens, unserer Motivation und letztendlich unseres Erfolgs. Menschen werden von nichts so direkt gesteuert wie von Emotionen. Und wer als Führungskraft dieses Wissen für sich nutzt und Gefühle zeigt, der wird effektiver Führen – und dabei seine Kräfte schonen!

PE
Aber trotzdem scheint es ein ungeschriebenes Gesetz in deutschen Unternehmen zu sein, dass man über Gefühle nicht spricht. Woher kommt das?

MH
Den meisten von uns wurde doch schon von Kindesbeinen an beigebracht, dass man über Gefühle nicht spricht, dass man sie am besten unterdrückt. Ein Indianer kennt ja schließlich keinen Schmerz. Und als Erwachsenen fällt es uns dann schwer, diese erlernten Verhaltensstrukturen zu durchbrechen! Für Männer ist es eh schwieriger Gefühle zu äußern und zu zeigen; davon kann wohl jede Frau ein Lied singen (schmunzelt). Außerdem hält sich immer noch das Vorurteil, nur wer eiskalt, skrupellos und knallhart im Geschäftsleben ist wie Gordon Gekko, der hat auch Erfolg. (Anmerkung der Redaktion: Gordon Gekko ist der Protagonist aus Oliver Stones „Wall Street“, ein Finanzhai, der für Macht und Erfolg über Leichen geht.)

PE
Im Umkehrschluss heißt das aber auch, dass man schnell in eine Schublade gesteckt wird, wenn man Gefühle zeigt. Im Sinn von: „Ach, der Müller ist ein Weichei, der reagiert auf alles so gefühlvoll wie eine Frau. Der bringt eh nix zustande.“

MH
In erster Linie ist es wichtig, Gefühle – jeder Art – zuzulassen und zu zeigen. Wir alle kennen das doch: Wenn wir uns über irgendetwas im Büro geärgert haben, tendieren wir dazu, den Ärger oder die Wut runterzuschlucken. Und was bewirkt das? Nur, dass wir uns nicht mehr auf unsere eigentliche Arbeit konzentrieren können – und uns auf lange Sicht Magengeschwüre wachsen. Lassen Sie stattdessen auch Ihren negativen Gefühlen freien Lauf. Ihre Mitarbeiter werden das zu schätzen wissen, sie wollen ehrliche, authentische Vorgesetzte. Aber Vorsicht, alles in Maßen! Bitte keine knallenden Türen, beschädigten Schreibtische oder eingeschüchterten Mitarbeiter (lacht).

IF
Das Problem ist doch, dass viele die Bedeutung von Emotionen auch im Berufsalltag nicht verstehen oder wahrhaben wollen. Jede Führungskraft weiß, wie schwierig es sein kann, Mitarbeiter von einer Sache, einem neuen Projekt zu überzeugen. Die meisten versuchen sachlich ihre Anweisungen zu geben – und das Resultat? Nichts passiert. Wer seine Mitarbeiter für etwas begeistern möchte, der muss diese Leidenschaft auch selbst ausstrahlen – und dazu gehört es, Gefühle zu zeigen! Nur so kann man andere überzeugen. Mit Gefühl!

SG
Außerdem wirkt derjenige viel sympathischer. Wer Gefühle zeigt und authentisch ist, dem vertraut man, dem hört man zu, und dem folgt man auch eher! Und: ich muss als Vorgesetzter mit den Gefühlen meiner Mitarbeiter richtig umgehen können. Oft sind das negative Gefühle: Wut, Ärger, Angst, Frustration… Wichtig ist, die Gefühle auf keinen Fall zu ignorieren. Sie verschwinden nicht einfach, wenn man so tut als ob sie nicht existieren. Fragen Sie nach, was los ist. Wieso der- oder diejenige so aggressiv, wütend oder verstimmt ist. Oft hilft das schon, um die Situation zu entspannen. Und nachfragen heißt nicht automatisch, dass Sie Ihrem Mitarbeiter Recht geben. Als Vorgesetzter sollten Sie immer über die Reaktionen Ihres Teams nachdenken. Emotionen sind Signale, sie senden eine Botschaft! Und die gilt es zu entziffern.

PE
Wenn wir andere dazu bewegen wollen, etwas für uns zu tun, müssen wir also Ihre Gefühle ansprechen und auf sie eingehen. Klingt gut, hört sich für mich aber auch ein wenig nach Manipulation an…

IF
Nein. Von Manipulation spricht man, wenn man jemanden gezielt zu seinem Nachteil beeinflusst. Wenn man mit ihm wie mit einer Marionette spielt. Ihn bewusst täuscht und er dadurch Schaden erleidet. Das ist das genaue Gegenteil von Führen mit Emotion! Führungskräfte, die ihre eigenen Gefühle zeigen und die ihrer Mitarbeiter anerkennen und würdigen, handeln offen und ehrlich; sie legen ihre Karten auf den Tisch. Das setzt Einfühlungsvermögen und Verständnis voraus. Und genau das wünschen sich Mitarbeiter: Offenheit und Transparenz. Wissen, woran man ist!

MH
Bestimmt ist das für Sie als Führungskraft am Anfang ungewohnt! Aber Sie werden sehen, das Umdenken lohnt sich! Die Stimmung im Team wird sich verbessern, Ihre Leute werden engagierter bei der Arbeit sein, und Sie – Sie werden in Zukunft Kraft sparen und weniger Stress haben – zumindest mit ihren Mitarbeitern.

PE
Wie kann ich feststellen, ob oder wieviel Emotion ich als Führungsinstrument schon nutze? Welche Fragen muss ich mir dazu stellen?

SG
– Bin ich mir darüber im Klaren, dass die Emotionen meiner Mitarbeiter deren mächtigste Motivations-, aber auch Demotivationsfaktoren sind?
– Kenne ich selbst meine Werte, also das, was mir im Job wichtig ist?
– Kenne ich die Werte meiner Mitarbeiter und interessiere ich mich dafür?
– Erlebe ich Emotionen in unterschiedlichen Intensitätsstufen oder eher „digital“?
– Interessiert mich die Antwort auf die Frage „Wie fühlt sich mein Gegenüber?“
– Fällt es mir leicht, die Frage zu beantworten „Wie fühlt sich mein Gegenüber?“
– Bin ich bereit, mein Verhalten als Führungskraft so auszurichten, dass dadurch das Wertesystem meiner Mitarbeiter „erfüllt“ wird?


Bookmark and Share

Schreibe einen Kommentar