Belastungen am Arbeitsplatz – Studie vom DGFP

Jennifer Julie Frotscher Forschung & Psychologie, Gesundheits- & Stressmanagement Leave a Comment

Der DGFP hat eine Studie zum Thema „psychische Beanspruchungen von Mitarbeitern und Führungskräften“ durchgeführt. Das Ziel war, einen Leitfaden für Führungskräfte zu entwickeln, damit sie psychische Beanspruchungen bei ihren Mitarbeitern früher erkennen und besser damit umgehen können. Zunächst führte der Arbeitskreis eine Online- Befragung mit 239 Personen aus DGFP- Mitgliedsunternehmen durch, um herauszufinden, ob Unternehmen bei ihren Mitarbeitern psychische Beanspruchungen feststellen und inwiefern sie davon betroffen sind. Weitere Fragen waren, ob es bestimmte Abteilungen gibt, die besonders betroffen sind und was der Auslöser für die Probleme ist.

Es zeigte sich, dass es in fast jedem Unternehmen betroffene Mitarbeiter gibt. Die betriebliche Fehlzeitenquote ist aufgrund von psychischen Beanspruchungen in den meisten Unternehmen in den letzten zwei Jahren gestiegen und wird vermutlich weiter ansteigen.

Am häufigsten finden sich psychische belastete Mitarbeiter mit auffälligem Verhalten in den Bereichen Marketing/ Vertrieb, in der Produktion und im Kundencenter/ Service. Angestellte der unteren und mittleren Führungsebene sind ebenfalls überdurchschnittlich häufig betroffen. Auch sind angelernte Kräfte und Facharbeiter in Produktionsunternehmen stärker in Mitleidenschaft gezogen als in Dienstleistungsunternehmen.

„Während starker Erfolgs- und Zeitdruck, ständige Erreichbarkeit und fehlender Ausgleich in der Freizeit für die psychische Beanspruchung von Führungskräften verantwortlich gemacht werden, stehen für die Mitarbeiter private Belastungen und Probleme, Konflikte mit Vorgesetzten und Kollegen, Zeitdruck und Arbeitsverdichtung als ursächliche Faktoren ganz oben.
Was den Umgang mit psychischen Beanspruchungen in den Unternehmen betrifft, gibt
es nach Einschätzung der befragten Personalmanager vor allem bei den Führungskräften erheblichen Weiterbildungsbedarf.“

In 89 Prozent der Unternehmen werden Mitarbeitergespräche geführt werden, aber nur in 17 Prozent dieser Gespräche ist das Thema „Psychische Beanspruchung“ fester Bestandteil.
Die meisten der befragten Führungskräfte nennen Veränderungen im Sozialverhalten sowie Veränderungen des körperlichen Gesundheitszustands als Warnsignal um den Mitarbeiter auf eventuelle psychische Beanspruchungen anzusprechen. Änderungen im Arbeitsverhalten und der Arbeitsleistung, verändertes Kommunikationsverhalten, höhere Fehlzeiten oder auch ein erhöhter Arbeitseinsatz sind ebenfalls wichtige Indikatoren für die Feststellung von psychischen Überlastungen.

„Trotz quantitativer Unterschiede kann man sagen, dass alle Mitarbeitergruppen von
psychischen Beanspruchungen betroffen sind, wobei interessant ist, dass sich die ursächlichen Faktoren für Führungskräfte und Mitarbeiter nach Einschätzung der Personalmanager unterscheiden.

Viele der befragten Unternehmen setzen bereits Maßnahmen zur Prävention bzw. zum Umgang mit psychischer Beanspruchung um, die auch durchaus eine positive Bewertung erfahren. Maßnahmen, die noch stärker eingesetzt werden könnten, sind die Delegation an Experten und individuelle Belastungs-/Beanspruchungsanalysen.

Hinsichtlich der Vorbereitung der Führungskräfte auf den Umgang mit psychisch beanspruchten Mitarbeitern gibt es einen erheblichen Weiterbildungsbedarf. Die Führungskräfte aber auch die Mitarbeiter der Personalabteilung haben Schwierigkeiten, psychische Beanspruchung zu erkennen und adäquat darauf zu reagieren. Auch wird eine Tabuisierung des Problems von Seiten der Führungskräfte beschrieben. Die Personalmanager sind der Meinung, dass ein praxisorientierter Leitfaden zum Umgang mit psychischen Beanspruchungen für die Führungskräfte hilfreich sein könnte.“

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