Der reife Manager: sich in Maßen engagieren

Jennifer Julie Frotscher Forschung & Psychologie, Führung & Persönlichkeit Leave a Comment

„Psychologie am Arbeitsplatz – nein danke!“, sagt so mancher Manager. Das möchte Dr. Tony Humphreys ändern und fordert eine Managementausbildung, bei der sich angehende Manager stärker mit ihren persönlichen Eigenschaften auseinandersetzen. Am 12. Oktober hält der irische Psychologe in Köln zum Auftakt der Zukunft Personal, Europas größter Messe für Personalmanagement, einen Keynote-Vortrag.

„Management sollte ein eigenständiger Beruf sein“, fordert Tony Humphreys. Denn häufig würden Leute an die Spitze von Abteilungen gesetzt, die zwar gut auf ihrem Fachgebiet seien, aber nur wenig von Führung verstünden. Leider mute die Ausbildung und Vorbereitung für Manager noch immer etwas „mittelalterlich“ an.

Dreh- und Angelpunkt sollte dabei seiner Ansicht nach der Reifegrad eines Menschen sein: „Je mehr jemand über ein standhaftes Inneres verfügt, einen gesunden Abstand zu seiner Arbeit hat und sich nicht über Erfolg definiert, desto reifer ist er“, sagt Humphreys. Reife habe etwas damit zu tun, wie unabhängig, frei und selbstbestimmt jemand sei und wie gut er sich selbst kenne. Von den insgesamt 75 Charakteristiken, die der Experte für Managementpsychologie definiert hat, erreichten derzeit viele Manager kaum fünf.

Weniger Engagement ist oft mehr

Bisher beschreibe die Forschungsliteratur den Typus des reifen Mitarbeiters oder Managers nicht einmal. Lediglich drei andere Typen von Beschäftigen seien bekannt: Die erste Gruppe der hoch motivierten, engagierten Leistungsträger, die zweite Gruppe der unengagierten Arbeitnehmer, die so wenig wie nötig für so viel Geld wie möglich täten, und die dritte Gruppe der „Höhlenbewohner“, die prinzipiell gegen alles seien und ständig Schwierigkeiten verursachten.

Der reife Mitarbeiter oder Manager wäre laut Humphreys hingegen derjenige, der sich engagiert, aber nicht so sehr, dass es in Erfolgssucht ausartet. „Er liebt seine Arbeit, doch sie bestimmt ihn nicht“, so der irische Psychologieexperte. Unternehmen müssten zu stark engagierte Beschäftigte – auch die Manager selbst, die häufig übermotiviert seien – auf ein weniger engagiertes Level bringen, so Humphreys. „Das ist noch sehr ungewöhnlich, aber zumindest merken inzwischen manche Firmen, dass ein zu hohes Maß an Engagement einfach nicht mehr produktiv ist, weil damit die Gefahr des Burnouts erheblich zunimmt.“

Vor allem die Manager seien dabei gefragt, indem sie sich stärker mit sich selbst, ihren Ängsten und ihrer Kindheit auseinandersetzten. Aber auch die Personalabteilung könne helfen, indem sie die menschliche Seite ihrer Arbeit nicht unter den Tisch fallen lasse. „Immer, wenn ich mit HR-Managern zu tun habe, lege ich ihnen nahe, HR stärker als Human Relationship zu betrachten“, erklärt Humphreys. „Leider verlassen Personaler sich oft auf HR-Management-Bücher, die verwirrende Theorien über Methoden, Modelle, Prozesse und Projekte aufstellen. Dabei verlieren sie den Blick dafür, dass es hier um Menschen und nicht um Systeme geht.“


Über Dr. Tony Humphreys

Irland einflussreichster Psychologe, Tony Humphreys, begann seine Karriere als klinischer Psychologe in der staatlichen Psychiatrie und für psychologische Dienste in England und Irland. Seit 1990 hat der Autor und internationale Redner, der für seine provokanten Thesen bekannt ist, eine private psychologische Praxis. Außerdem leitet er drei Hochschullehrgänge am University College Cork und am All Hallows College in Drumcondra, Dublin. In seinem Keynote-Vortrag auf der Zukunft Personal in Köln spricht er über die Psychologie des Managements.

Keynote von Tony Humphreys auf der Messe Zukunft Personal:
„Managing from the Inside Out – The Art of Peoplemanaging“ (auf Englisch)
Im Anschluss Public Interview

Donnerstag, 14. Oktober 2010, 9.30 – 11.00 Uhr,
Keynote Forum, Halle 3.2, Koelnmesse

Weitere Informationen zur Messe Zukunft Personal sind unter www.zukunft-personal.de erhältlich.


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