Empathie – "use it or lose it"

Jennifer Julie Frotscher Forschung & Psychologie Leave a Comment

Empathie (Einfühlungsvermögen) ist die Fähigkeit, sich in die Gedanken und Gefühle von anderen hineinzuversetzen, Sichtweisen und Perspektiven wahrzunehmen und zu verstehen. Der Begriff leitet sich vom griechischen Wort „empatheia“ für „Einfühlung“ ab.

Entscheidend ist dabei, die Gedanken, Aussagen und Emotionen des anderen für einen kurzen, bewussten Moment selbst zu erleben. Empathie ist die Wahrnehmung des anderen, ohne Bewertung, ohne die eigene Perspektive oder eine pseudo-rationale oder pseudo-objektive Sichtweise. Empathie unterscheidet sich auch von Mitgefühl. Mitgefühl ist bereits eine Wertung, wenn auch (meistens) eine positive. Wenn wir unser Gegenüber in seiner Not, Freude oder Naivität verstehen und seine Weltsicht erleben sind wir empathisch. Interessant sind dazu auch Erkenntnisse aus der Hirnforschung über Spiegelneuronen. Bewegung, Mimik oder Körpersprache von anderen werden von unserem Gehirn entschlüsselt, dabei entsteht in unserem Gehirn ein Spiegelbild von dem, was wir sehen. Dadurch werden spezifische Spiegelneuronen aktiv, die die entsprechenden Gefühle zum Schwingen bringen. Spiegelneuronen übertragen also den gleichen Zustand der beobachtenden Person. Wesentlich für diesen Prozess ist es allerdings, jemanden zu sehen – am Telefon oder per Email funktioniert es nicht.

Einfühlungsvermögen ist ein elementares Soft Skill. Ein Mangel an Einfühlungsvermögen kommt in der Wahrnehmung vieler Menschen einem Mangel an Menschlichkeit gleich. „Laut einer Studie der University of Michigan sind amerikanische Studenten heute weniger fähig zur Empathie als das früher der Fall war. Die Untersuchung beleuchtet einen Zeitraum von 30 Jahren. „Wir haben die größte Abnahme an Einfühlsamkeitsvermögen nach dem Jahr 2000 festgestellt,“ sagt Sara Konrath, eine Wissenschaftlerin am Institut für Sozialforschung an der University of Michigan. Standard-Tests hätten ergeben, dass College-Schüler heute über 40 Prozent weniger einfühlsam seien als ihre Kollegen vor 20 oder 30 Jahren.“ Zeit.de

„Use it or lose it“ (nutze oder verliere sie) heißt das Motto der Forscher, das auf alle Nervenzellsysteme zutrifft, die Spiegelneuronen nicht ausgenommen. Wer sein Einfühlungsvermögen also verbessern möchte, sollte in drei Bereichen trainieren:

1. Die Fähigkeit der Wahrnehmung verbessern, Menschen zuhören, deren Motive und Beweggründe erfahren

2. Die Sinneswahrnehmung bezüglich der Körpersprache der Mitmenschen schärfen

3. Beurteilungen so weit wie möglich vermeiden, bzw. die eigene und die fremde Bewertung bewusst auseinanderhalten


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