Beratungsprozesse in der Wirtschaft mit Bildern

Jennifer Julie Frotscher Coaching & Entwicklung Leave a Comment

Artikel veröffentlicht von Jennifer Frotscher
im Kunsttherapie-Forum:
Heft 1 – 2007, 21. Jahrgang

Kunsttherapie und Beratung haben vor allem eins gemeinsam: Begegnung zwischen Menschen mit dem Ziel der Klärung, Veränderung und Verbesserung von inneren und äußeren Prozessen. Im letzten Teil des Satzes beginnt dann auch schon der größte Unterschied zwischen Kunsttherapie und Beratung. Während sich Kunsttherapie in die Innenräume des Menschen begibt und dort verweilt, sucht und recherchiert, auslotet und schöpft um erst nach längerer Zeit die ersten Ergebnisse im kleineren Beziehungsraum zu erproben, ist der Beratungsprozess straff organisiert, mit Zielvereinbarungen versehen, zeitlich limitiert und außerdem zweckmäßig an äußeren Erfolgsfaktoren gebunden. Kunsttherapie ist wohl eher Prozess- als Zielorientiert. Beratung dafür eher progressiv als regressiv.

Mit dem Symbolon Profile® kann theoretisch beides wirksam sein. Den Zugang, die Tiefe und die Prozessgestaltung entscheidet in der Praxis nicht so sehr das Profil an sich, sondern die Personen, die damit arbeiten oder davon profitieren wollen, die begleitende Person ebenso wie der Begleitete. Besonders aber das Umfeld und die Begleitumstände: In der Beratungssituation sind das die Auftraggeber und die Firma sowie deren Anliegen und Bedürfnisse. Die ergebnisorientierte Haltung, die im Sinne von Effektivität und Steigerung der Produktivität in persönlicher wie in finanzieller Hinsicht nur in der Wirtschaft, nicht im therapeutischen Prozess entscheidend ist, führt zu einem wesentlichen Unterschied, der aktuell deutlich stärker als eine inhaltliche Differenz dazu beiträgt, das Profil nicht im therapeutischen Prozess einzusetzen.

Was ist für Kunsttherapeuten an der Methode interessant?

In der Symbolon-Methode werden reine Archetypen verwendet, von der Farbe über Elemente und systemische Ordnungsprinzipien, innere gegengeschlechtliche Repräsentanten, Urbilder aus der Mythologie, übergeordnete Prozesse, die von der Natur vorgegeben sind usw.. Es werden verschiedene Lebensbereiche, innere wie äußere, angeregt zu reagieren, zu „antworten“, sich zu äußern und Position zu beziehen. Insgesamt ergibt das Ergebnis ein Bild von einem Menschen, der emotionale Mitteilungen macht, der ohne zu sprechen Auskunft gibt über seine Bedürfnisse und Einstellungen, seine Fähigkeiten und Verhinderungen, seine Problemfelder und Ausweichstrategien. Diese werden grundsätzlich in ihrer naturgegebenen Polarität, in ihrem Spannungsfeld dargestellt.

So prinzipiell und theoretisch dargestellt ist die Art von Zugang, den die Symbolon AG entworfen und umgesetzt hat, übersetzbar und erweiterbar in viele Bereiche, auch den therapeutischen. Die Symbolon-Methode beherbergt unter ihrem Dach eine Vielzahl von theoretischen Ansätzen ebenso wie eine Vielzahl von praktischen Anwendungsmöglichkeiten. Nur das realisierte Produkt der Methode, das Symbolon Profile®, ist zunächst einmal für die Wirtschaft konzipiert worden und in der Hauptsache auch dort anzuwenden.

In der kunsttherapeutischen Praxis sind, je nach Tendenz, ebenfalls ganz verschiedene Ansätze und Möglichkeiten zu finden. Die Arbeit mit dem Symbolon Profile® erinnert am ehesten an den analytisch orientierten Zugang, wobei der Gestaltungsprozess fehlt und die Identifikation mit der Gestalt dadurch einen anderen Weg gehen muss. Der Klient kann sich nicht, wie im kunsttherapeutischen Prozess mit seiner eigenen, selbst kreierten Gestalt verbinden, sie herstellen und in sie hineinschauen, sich entdecken, um dann im zweiten Schritt den Weg der Anreicherung, der Assoziation und der Analyse zu gehen, sondern er geht den Weg andersherum. Er schaut ein ihm fremdes oder unter bisher anderen Umständen bekanntes Bild an und wählt etwas darin aus, spontan und in Resonanz mit seiner Emotionalität. Das Bild ist zuerst ein Fremdes, etwas Universelles. Erst über die Aufnahme und Integration der subjektiven Assoziationsebene wird es zu etwas Eigenem, es wird durch einen schlichten projektiven Vorgang als etwas Eigenes erkannt. In der Kunsttherapie wird die Identifikation mit kollektiven Erzeugnissen als an sich schon heilsamer Prozess angesehen. Durch die Assoziation entsteht das Individuelle im Universellen, im Kollektiven. Der persönliche Bezug und das „sich in Beziehung“ setzen beginnt.

Dieser Moment findet in der Beratung über eine Frage statt: Wie geht es Ihnen dort…? , wie ist es da für sie …? Warum haben Sie …? In diesen Fragen stellt sich methodisch die größte Nähe zu Elementen der Kunsttherapie her. Der nun folgende Dialog zwischen Klient, Begleiter und Bild ist der „kunsttherapeutischste Moment“ im Geschehen. Triangulation, Beziehungsebene, Übertragungsprozesse, das Nonverbale, die Eindruckswirkung des Bildes sind von den typischen kunsttherapeutischen Begrifflichkeiten diejenigen, die am leichtesten auftauchen.

Gewöhnlich ist dieser Moment nicht allzu ausführlich, denn mit der verbal hergestellten Verbindung zwischen der persönlichen Assoziation und der kollektiv wirksamen Grundsymbolik findet der Rückweg in den kognitiven Bereich statt. In das Verstehen, in das „mit äußeren Bedingungen verknüpfen“, in den Kopf.
Es ist auch einfach zu ungewohnt für die Kunden, die aus der Wirtschaft kommen, sich in das Zeit- und Raumverständnis einer kunsttherapeutischen Aktion einzufügen. Der Transport dieses Mediums in die andere Welt kann nur gelingen wenn man ihr ein Stück entgegen kommt und ein paar Abstriche macht. Der sinnliche und direkt erfahrbare Bezug durch die Gestaltung an sich fehlt ebenso wie die ausführliche Zeit- und Raumgestaltung. Damit fehlt etwas für bestimmte kunsttherapeutische Sichtweisen sehr elementares und entscheidendes.
Allerdings ermöglicht dieser Verzicht den Brückenbau zwischen Kunst, Psychologie und Wirtschaft.

Im Unterschied zu Testverfahren im projektiven Bereich werden im Symbolon Profile® zwar auch mittels der Identifikation und Projektion persönliche Inhalte erarbeitet und seelisches Erleben durch Anschauung aktiviert, der Zugang geht aber eindeutiger über die mythische Bewusstseinsebene des Menschen, die sich in erzählenden Strukturen und definitiv gegenständlichem Ausdruck von Bildern wieder findet. Damit ist der Archetyp im Sinne von C.G. Jung aktiviert, der seine Wirksamkeit entfaltet und Individuationsprozesse anstößt. Dieser Aspekt ist für die Persönlichkeitsentwicklung wichtig und unmittelbarer Bestandteil der Symbolon-Methode. Darin zeigt sich ein weiterer Verbindungspunkt zwischen Kunsttherapie und Anwendung des Symbolon Profile®. Die eigentliche Botschaft, die die Symbolon-Methode vermitteln möchte, ist eine unterstützende, aktivierende und fördernde, sehr menschenfreundliche Sichtweise und keine Testsituation, die mit bildnerischen Methoden versucht, den psychischen Raum zu erfassen und letztlich zu determinieren.
Das Symbolon ® kann in verschiedenen Ebenen wirksam werden, in der Beratung, der Persönlichkeitsentwicklung, bei Team- und Gruppenprozessen, sicherlich auch in bestimmten therapeutischen Bereichen. Es ist konzipiert für Menschen in der Wirtschaft und sollte sinnvollerweise auch dort verwendet werden, aber auch dort ist die Grenze zwischen gesund und nicht mehr gesund oder normal und neurotisch manchmal fließend. Der therapeutische Aspekt kann bei Bedarf und entsprechenden Umständen relevant werden. Dem „reinen“ kunsttherapeutischen Prozess ist zumindest über die erste Auseinandersetzung mit Bildern der Weg geebnet worden.
Wenn man berücksichtigt, dass die Methode vor allem Menschen erreichen soll, die aufgrund ihrer Arbeitbedingungen sehr wenig Raum haben für Reflexion, Auseinandersetzung und Entwicklung ihrer Persönlichkeit, und die zusätzlich eine maximale Entfernungsdistanz zwischen sich und dem Künstlerischen, bzw. dem Schöpferischen gebracht haben, nämlich Menschen in technischen oder technologiegestützten Berufen, dann ist die Auseinandersetzung mit sich selbst anhand der Kunst, wie sie in der Symbolon-Methode stattfindet, ein gangbarer, in die Bedürfnisse und Bedingungen der Menschen aus dem 21. Jahrhundert transportierte Möglichkeit, einen Schritt zu sich in das eigene schöpferische Erleben zu tun.

Und wenn rezeptive Kunsttherapie bedeutet, daß Auseinandersetzung und Wahrnehmen von Kunst ein kunsttherapeutischer Vorgang ist, dann ist die Reflexion der Persönlichkeit an „echter Kunst“ (ich meine hier ausschließlich zu Zwecken der Kunst hergestellte Kunst), eigentlich im Sinne des Wortes richtige Kunst-Therapie.

Mehr Information:
www.artundweise.ws
www.symbolon.com


Bookmark and Share


Schreibe einen Kommentar