Nutzen der Depression

Jennifer Julie Frotscher Forschung & Psychologie, Führung & Persönlichkeit Leave a Comment

Depressionen sind weit verbreitet, das Phänomen ist extrem hartnäckig. Ausgerechnet Charles Darwin, dessen Theorie etwas so „sinnloses“ wie die Ausbreitung von Depressionen eigentlich nicht zulässt, scheint selbst in Höchstmaß von Depressionen betroffen gewesen zu sein. An nur zwei von drei Tagen sei er überhaupt arbeits- und leistungsfähig gewesen zu sein, steht in dem brillianten Artikel, Vom Nutzen der Schwermut von Jonah Lehrer in der online Ausgabe der FAZ. Hier stellt er die Frage, ob die Depression nicht doch einen geheimen Sinn erfüllt.
Die ganzheitliche Betrachtung des Menschen erlaubt uns schon länger, Krankheiten und Störungen unter dem Gesichtspunkt der Sinnhaftigkeit zu betrachten, Dahlke geht beispielsweise grundsätzlich davon aus, dass uns der Körper etwas mitteilen will, wenn er versagt, auf eben diesem Grundgedanken ist auch die Psychotherapie entstanden.
Ist also die Depression tatsächlich etwas, was mit moderner Medizin möglichst schnell und schmerzlos bekämpft werden sollte?
Durch Hirnforschung und Pharmakologie entsteht eine Neubewertung, Forscher lokalisieren die Fähigkeit zur Konzentration im ventrolateralen präfrontalen Cortex (VLPFC) und haben festgestellt, dass diese Region bei depressiven Menschen überaktiv ist. Sie belegen nicht nur den Nutzen bzw. die Sinnhaftigkeit einer Depression, sondern zeigen darüber hinaus sogar besondere Vorteile für die Konzentration, die schöpferische und die analytische Leistungsfähigkeit auf.

So könnte erklärt werden, warum man „immer wieder einen Zusammenhang zwischen Kreativität und depressiver Veranlagung findet“. Andere Studien haben herausgefunden, dass melancholische gestimmte Menschen genauer hinsehen, hinhören und deutlich mehr Informationen aufnehmen als die sorglos glücklichen. Das läßt sich vielleicht damit erklären, dass uns die Depression das Gefühl gibt, alles realistischer zu bewerten: „je bitterer das Leben empfunden wird, desto realistischer scheinen wir die Welt zu sehen. Und bemühen uns, das besonders exakt zu erfassen.“ „Die Generation der Romantiker sah das Leiden vollends als essentielle Voraussetzung für jede Art schöpferischen Daseins: „War-um siehst du nicht, wie notwendig eine Welt voller Pein und Mühe ist, um die Intelligenz zu schulen und eine Seele hervorzubringen?“


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Quellen:
Vom Nutzen der Schwermut
FAZ
Jonah Lehrer
James A. Thomson, Paul Andrews

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